Was ist Demenz?
Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns. Sie beeinträchtigt maßgeblich die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des erkrankten Menschen über sich selbst.
Auf allen Ebenen menschlichen Seins findet diese Veränderung statt: Denken, Fühlen und Handeln, alles kann dramatisch anders werden.
Die Welt bricht auseinander, was geordnet schien, wird zum Chaos. Die Realität kommt Stück für Stück abhanden, der erkrankte Mensch verliert sich selbst und kann sich nicht mehr wie gewohnt mitteilen. Die Sorge für sich selbst wächst ihm über den Kopf, sein Konstrukt an Vorstellungen und Sinnhaftigkeit gerät aus den Fugen. Seine Gefühle sind irritiert und er ist verzweifelt allein in seiner Wahrnehmung der Dinge und mit seinen Fragen.
Demenz erschüttert jeden Menschen in seinem Innersten und total, in seiner gesamten Identität.

Was bedeutet Demenz für den erkrankten Menschen?
Viele der Demenz-Erkrankten reflektieren am Anfang über ihren Zustand und sind in höchstem Maße erschrocken, alarmiert, traumatisiert. Und sie verstehen sich selbst nicht mehr, werden sich selbst fremd und bemerken das Befremden der anderen.
Die meisten Demenzkranken spüren, dass etwas nicht stimmt, und erleben intensive Gefühlswellen bei ihrem Bemühen, die Welt wieder auf die Füße zu stellen.
Viele der Betroffenen geraten in eine ungeordnete Betriebsamkeit, einen machtvollen Tatendrang, und schleppen, ähnlich wie Sisyphos seinen Stein, den ihren unter größter Anstrengung immer wieder hinauf auf ihren Berg, von dem er in das Tal des auseinander fallenden, lückenhaften Bewusstseins zurückrollt.
Die Folgen der Erkrankung bedeuten für jeden Demenzkranken zunächst ein großes Unglück. Gegen das sie rebellieren, dem sie sich mit innerer Leere anpassen, gegen das sie verzweifelt ansteuern. Aggression, Depression und Zwanghaftigkeit sind regelmäßige Nebenfolgen der Veränderung und nachvollziehbare Reaktionen eines Menschen, der schrittweise seine bisherige Wirklichkeit verliert.

Was bedeutet Demenz für Angehörige?
Die Angehörigen verlieren eine wichtige Bezugsperson, die geliebte Partnerin, den geschätzten Vater, die vertraute Schwester, so wie sie diesen Menschen bisher gekannt haben. Die Persönlichkeit, das vertraute Wesen, das Temperament, alles das, was die Beziehung gestaltet hat, kann sich ändern.
Dieser Verlust ist nicht leicht zu akzeptieren und diese Veränderung ist schwer zu begleiten.
Weil es so viel ausmacht, dass jetzt Wesentliches im Kontakt nicht mehr so möglich ist wie bisher.
Weil es kaum zu ertragen ist, dass der Angehörige sich jetzt so anders, so fremd, ja auch so verletzend verhält.
Weil vieles auf den ersten Blick so unwürdig und schamvoll ist, dass man es dem Angehörigen und sich ersparen möchte.
Weil die Angst auftaucht, selbst auch einmal so zu werden.
Weil der Alltag kaum zu schaffen ist und über körperliche und seelische Grenzen der Belastbarkeit hinausgeht.
Weil es manchmal schwer ist, einen Demenzkranken zu lieben.
Weil Abschied weh tut.
Die empfundene Verpflichtung, sich um den Angehörigen zu kümmern, schließt die Verpflichtung ein, auch für sich selbst zu sorgen und Entlastung in Anspruch zu nehmen.